Kann man Mitgefühl lernen?

Prosozialität-1
Welchen Einfluss nehmen mentale Trainings auf prosoziales Verhalten? (Bildquelle: M. Doobe)

Lassen sich Eigenschaften wie Fürsorge, Mitgefühl und sogar altruistisch motiviertes Verhalten trainieren? Psychologen aus Würzburg und Leipzig haben sich mit dieser Frage beschäftigt. Ihre Studie dazu liefert interessante Ergebnisse.

Ob es sich nun um die ungerechte Verteilung von Reichtum oder den Umgang mit Geflüchteten handelt: Bei der Lösung solcher Probleme sind neben politischen Abkommen immer auch u. a. die Bereitschaft zur Kooperation und der Verzicht des einzelnen Menschen zugunsten anderer wichtig.

Um zu untersuchen, ob solche Verhaltensweisen geübt werden können, haben Psychologinnen und Psychologen der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig viele Monate lang den Einfluss verschiedener mentaler Trainings auf prosoziales Verhalten untersucht. Es konnte gezeigt werden, dass die Prosozialität durch verschiedene Arten von Trainings systematisch gesteigert werden kann. Der Aufwand dafür sei nicht sehr groß. Das Training bestehe im Wesentlichen aus kurzen und leicht umsetzbaren täglichen Praktiken. Mit „prosozial“ ist ein Verhalten gemeint, das für den Einzelnen kostspielig ist, das aber anderen entweder individuell oder als Gruppe Vorteile bringt. Viele Disziplinen forschen an den Grundlagen von Kooperation und Altruismus – von der Philosophie und Psychologie über Mathematik und Ökonomie bis hin zur Evolutionsbiologie und den Neurowissenschaften.

Schlüssel auf dem Weg zu einer fürsorglichen Gesellschaft

Die oben erwähnten mentalen Trainings fanden über neun Monate lang statt. In einem Modul ging es darum, die Aufmerksamkeit und das Körperbewusstsein zu schärfen – ähnlich wie beim Achtsamkeits-basierten Stressabbau. In einem zweiten Modul standen sozioaffektive Fähigkeiten wie Mitgefühl, Dankbarkeit und prosoziale Motivation im Mittelpunkt. Der flexible Blick auf sich selbst und auf andere sowie die Fähigkeit, Perspektivwechsel zu unternehmen, bildeten den Schwerpunkt im dritten Modul.

Die Studie ergab, dass lediglich das zweite Modul sich eignete, um die Teilnehmer direkt zu motivieren, altruistisch zu verhalten. Dieses sogenannte Affektmodul besteht aus drei Einführungstagen, wöchentlichen Treffen mit Meditationslehrern und etwa 30 Minuten täglicher Praxis über einen Zeitraum von drei Monaten. Die Pflege dieser affektiven und motivierenden Fähigkeiten in Schulen, im Gesundheitswesen und am Arbeitsplatz könne nach Auffassung der Wissenschaftler „ein wirksamer Schritt sein, um den Herausforderungen einer globalisierten Welt zu begegnen und sich in Richtung globaler Zusammenarbeit und einer fürsorglichen Gesellschaft zu bewegen.“

Weitere Infos dazu gibt es hier

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